Rektusdiastase

  • Dr. Englbrecht
  • 11.06.2026
  • 8 Minuten
Rektusdiastase

Viele Frauen bemerken nach einer Schwangerschaft, dass sich ihr Bauch trotz Rückbildung, Sport und gesunder Ernährung nicht mehr so anfühlt wie früher. Die Körpermitte wirkt oft weicher, der Bauch wölbt sich weiterhin nach vorne oder es entsteht das Gefühl, dass die Muskulatur nicht mehr die gleiche Stabilität besitzt.
Häufig steckt dahinter eine sogenannte Rektusdiastase, eine Veränderung der Bauchmuskulatur, die besonders nach Schwangerschaften auftreten kann. Viele Betroffene hören diesen Begriff zum ersten Mal und fragen sich: Ist das normal? Geht das von allein wieder weg? Und wann sollte man etwas dagegen unternehmen?

Kurz gesagt:
Bei einer Rektusdiastase weichen die geraden Bauchmuskeln auseinander. Dadurch entsteht eine Lücke in der Körpermitte, die besonders nach Schwangerschaften häufig vorkommt.
Nicht jede Rektusdiastase muss behandelt werden. Entscheidend sind:

  • die Ausprägung der Muskeltrennung
  • mögliche Beschwerden
  • die Stabilität der Bauchwand
  • und das persönliche Wohlbefinden

In vielen Fällen können gezielte Übungen helfen. Bei stärker ausgeprägten Befunden kann jedoch auch eine operative Behandlung sinnvoll sein.

Was ist eine Rektusdiastase?

Die geraden Bauchmuskeln verlaufen normalerweise parallel nebeneinander und werden durch eine feste Bindegewebsstruktur in der Mitte verbunden, die sogenannte Linea alba.
Während einer Schwangerschaft dehnt sich die Bauchdecke, um Platz für das wachsende Kind zu schaffen. Dabei kann es passieren, dass die geraden Bauchmuskeln auseinanderweichen. Diese Muskeltrennung bezeichnet man als Rektusdiastase.
Bis zu einem gewissen Grad ist dieser Vorgang vollkommen natürlich und Teil der körperlichen Anpassung während der Schwangerschaft.

Warum entsteht eine Rektusdiastase?

Um zu verstehen, was eine Rektusdiastase ist, hilft zunächst ein Blick auf die Anatomie der Bauchwand. Die geraden Bauchmuskeln, medizinisch Musculi recti abdominis, verlaufen normalerweise parallel auf der rechten und linken Seite des Bauches. Verbunden werden sie durch eine feste Bindegewebsstruktur in der Mitte, die sogenannte Linea alba.
Während einer Schwangerschaft verändert sich die Bauchwand erheblich.
Rektusdiastase Entstehung

Das wachsende Kind benötigt zunehmend Platz, wodurch sich Bauchmuskeln, Faszien und Haut ausdehnen müssen. Gleichzeitig führen hormonelle Veränderungen dazu, dass das Bindegewebe elastischer wird. Diese Anpassungen sind wichtig, damit sich der Körper auf die Schwangerschaft einstellen kann.
Durch die zunehmende Dehnung kann die Linea alba jedoch auseinanderweichen. Die beiden geraden Bauchmuskeln entfernen sich voneinander und es entsteht eine Lücke in der Mittellinie des Bauches, die sogenannte Rektusdiastase.
Dieser Vorgang ist zunächst ein natürlicher Teil der Schwangerschaft und tritt bei einem Großteil aller Frauen gegen Ende der Schwangerschaft auf. Während sich die Muskeltrennung bei vielen Betroffenen nach der Geburt teilweise zurückbildet, bleibt sie bei anderen dauerhaft bestehen.

Typische Symptome einer Rektusdiastase

Die Beschwerden können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche Frauen bemerken die Veränderung ausschließlich optisch, während andere deutliche funktionelle Einschränkungen wahrnehmen.
Charakteristisch ist häufig eine Vorwölbung entlang der Bauchmitte, insbesondere beim Aufrichten aus dem Liegen oder bei Anspannung der Bauchmuskulatur.
Darüber hinaus können folgende Beschwerden auftreten:

  • Instabilitätsgefühl in der Körpermitte
  • Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule
  • Verspannungen im Rückenbereich
  • Schwächegefühl bei körperlicher Belastung
  • Einschränkungen beim Sport
  • Veränderungen der Körperhaltung
  • eingeschränkte Rumpfkraft

Wichtig zu wissen: Die Breite der Muskeltrennung allein entscheidet nicht darüber, wie stark die Beschwerden ausgeprägt sind. Manche Frauen mit einer relativ kleinen Diastase verspüren deutliche Einschränkungen, während andere trotz größerer Muskeltrennung beschwerdefrei sind.

Welche Rolle spielt die Bauchmuskulatur für die Körpermitte?

Die Bauchmuskulatur erfüllt weit mehr Aufgaben als nur die ästhetische Formung des Bauches. Gemeinsam mit der Rücken-, Beckenboden- und Zwerchfellmuskulatur bildet sie das sogenannte Rumpfstabilitätssystem.
Diese Muskelgruppen sind unter anderem verantwortlich für:

  • die Stabilisierung der Wirbelsäule
  • eine aufrechte Körperhaltung
  • die Kraftübertragung zwischen Ober- und Unterkörper
  • die Unterstützung des Beckenbodens
  • die Regulation des Bauchinnendrucks

Liegt eine ausgeprägte Rektusdiastase vor, kann dieses Zusammenspiel gestört sein. Die Bauchwand verliert teilweise ihre Spannung, wodurch die Stabilität der Körpermitte beeinträchtigt werden kann.
Aus diesem Grund berichten viele Betroffene nicht nur über eine sichtbare Vorwölbung des Bauches, sondern auch über funktionelle Beschwerden.

Welche Möglichkeiten der konservativen Behandlung gibt es?

  • Konservative Behandlung: Nicht jede Rektusdiastase benötigt eine Operation. Insbesondere in den ersten Monaten nach einer Schwangerschaft steht zunächst die konservative Behandlung im Vordergrund.
    Ziel ist es, die Funktion der Bauchwand und die Stabilität der Körpermitte zu verbessern. Hierbei können gezielte physiotherapeutische Übungen und spezielle Rückbildungsprogramme hilfreich sein.
    Im Fokus stehen dabei insbesondere:
    – die Aktivierung der tiefen Bauchmuskulatur
    – die Verbesserung der Rumpfstabilität
    – die Unterstützung des Beckenbodens
    – die Optimierung von Haltung und BewegungWichtig ist jedoch, dass nicht jedes Bauchmuskeltraining geeignet ist. Übungen, die den Druck innerhalb der Bauchhöhle stark erhöhen, können eine bestehende Rektusdiastase sogar verstärken. Deshalb sollte das Training möglichst unter fachkundiger Anleitung erfolgen.
  • Operative Korrektur der Rektusdiastase: Die operative Behandlung erfolgt häufig im Rahmen einer Bauchdeckenstraffung. Dabei werden die auseinandergewichenen geraden Bauchmuskeln wieder in ihre ursprüngliche Position gebracht und die Linea alba stabilisiert.
    Dieser Schritt wird als Rektusraffung bezeichnet.
    Durch die Wiederannäherung der Muskulatur kann die Bauchwand stabilisiert und die Funktion der Körpermitte verbessert werden. Liegt zusätzlich überschüssige Haut vor, kann diese im selben Eingriff entfernt werden.
    Ziel der Operation ist daher nicht nur eine flachere Bauchkontur, sondern häufig auch eine Verbesserung der körperlichen Stabilität und Belastbarkeit.

    Rektusdiastase und Bauchdeckenstraffung
    Viele Patientinnen, die sich wegen einer Rektusdiastase vorstellen, berichten nicht nur über eine Instabilität der Bauchmuskulatur, sondern auch über überschüssige oder erschlaffte Haut im Bauchbereich. Besonders nach Schwangerschaften oder einem größeren Gewichtsverlust treten diese Veränderungen häufig gemeinsam auf.
    In solchen Fällen kann eine reine Wiederannäherung der Bauchmuskulatur oftmals nicht ausreichen, um die gewünschte Stabilität und Bauchkontur zu erreichen. Deshalb wird die Korrektur einer Rektusdiastase häufig im Rahmen einer Bauchdeckenstraffung durchgeführt.Bei einer Bauchdeckenstraffung werden mehrere Aspekte gleichzeitig berücksichtigt:
    – die Wiederherstellung der Bauchwandstabilität durch eine Rektusraffung
    – die Entfernung überschüssiger Haut
    – die Straffung der Bauchdecke
    – die Verbesserung der KörperkonturDie operative Straffung der Bauchmuskulatur erfolgt dabei von innen. Die auseinandergewichenen geraden Bauchmuskeln werden wieder angenähert und dauerhaft stabilisiert. Dadurch kann die Funktion der Körpermitte verbessert und die Vorwölbung des Bauches reduziert werden.
    Zusätzlich kann überschüssige Haut entfernt werden, die sich nach einer Schwangerschaft oder einer starken Gewichtsabnahme häufig nicht mehr vollständig zurückbildet. Gerade bei Patientinnen mit ausgeprägtem Hautüberschuss ist dieser Aspekt oft ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Behandlung?

Nach einer Schwangerschaft sollte dem Körper zunächst ausreichend Zeit zur Regeneration gegeben werden.
Wichtige Voraussetzungen sind häufig:

  • abgeschlossenes Stillen
  • stabiles Körpergewicht
  • abgeschlossene Familienplanung (wenn möglich)

In einem persönlichen Beratungsgespräch lässt sich beurteilen, ob eine Behandlung bereits sinnvoll ist oder zunächst weitere Rückbildung abgewartet werden sollte.

Zitat

Viele Frauen sind zunächst verunsichert, wenn sich der Bauch nach einer Schwangerschaft nicht so zurückbildet wie erwartet. Häufig steckt dahinter eine Rektusdiastase, eine sehr verbreitete Veränderung der Bauchwand. Wichtig ist zunächst zu verstehen, dass man damit nicht allein ist. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, hängt immer von den Beschwerden, dem Befund und den persönlichen Wünschen ab.

Dr. Marc Englbrecht

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Häufige Fragen zur Rektusdiastase

In den meisten Fällen ist eine Rektusdiastase nicht gefährlich. Je nach Ausprägung kann sie jedoch Beschwerden verursachen oder die Stabilität der Körpermitte beeinflussen.
Gezielte Übungen können helfen, die Körpermitte zu stabilisieren. Nicht jedes Bauchmuskeltraining ist jedoch geeignet.
Ja. Eine Rektusdiastase kann auch viele Jahre nach einer Schwangerschaft noch bestehen.
Nein. Viele Frauen kommen ohne Operation gut zurecht. Eine operative Behandlung wird meist erst bei ausgeprägten Befunden oder Beschwerden in Betracht gezogen.
Eine operative Behandlung kommt meist dann infrage, wenn:

  • die Rektusdiastase stark ausgeprägt ist
  • Beschwerden bestehen
  • die Bauchwand deutlich instabil ist
  • konservative Maßnahmen nicht ausreichen

Häufig erfolgt die Korrektur im Rahmen einer Bauchdeckenstraffung. Dabei werden die auseinandergewichenen Bauchmuskeln wieder zusammengeführt und die Bauchwand stabilisiert.
Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt immer von der individuellen Situation ab.

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  • Dr. Englbrecht Arzt Brustverkleinerung München

    Dr. Marc Englbrecht

    Dr. Marc Englbrecht ist seit September 2022 Mitbegründer der Praxis Schoeneich & Englbrecht in München Bogenhausen und fungiert seit Oktober 2022 als Chefarzt der Abteilung Brust-, Plastische und Ästhetische Chirurgie an der Frauenklinik Dr. Geisenhofer am Englischen Garten in München. Seine fachliche Expertise baute er zwischen 2021 und 2022 als Hauptoperateur im Seno – MVZ zur operativen Behandlung der Brust in München aus und davor als Oberarzt der Abteilung für Handchirurgie, Plastische Chirurgie und Ästhetische Chirurgie der LM München von 2017 bis 2020. Seine medizinische Laufbahn begann nach dem Staatsexamen an der TU München im Jahr 2008 und der Promotion zum Doktor der Medizin im Jahr 2009. Dr. Englbrecht ist Mitglied in führenden Fachgesellschaften wie der DGPRAEC, DGH und der Deutschen Gesellschaft für Senologie und engagiert sich ehrenamtlich bei Interplast Germany e.V. für Menschen in Krisengebieten. Kernkompetenzen
    • Brustchirurgie
    • Gesichtschirurgie
    • Bodycontouring
  • Dr. Schoeneich Arzt Brustverkleinerung München

    Dr. Moritz Schoeneich

    Dr. Moritz Schoeneich ist seit September 2022 Mitbegründer der Praxis Schoeneich & Englbrecht in München Bogenhausen und bekleidet seit Oktober 2022 die Position des Chefarztes der Abteilung für Brust-, Plastische und Ästhetische Chirurgie an der Frauenklinik Dr. Geisenhofer am Englischen Garten in München. Von 2020 bis 2022 wirkte er als Hauptoperateur im Seno MVZ für die operative Behandlung der Brust in München und zuvor, zwischen 2016 und 2020, als Oberarzt im Zentrum für Hand-, Ellenbogen-, Mikrochirurgie und plastische Chirurgie der Schön Klinik München Harlaching. Nach seinem Studium an der Universität Hamburg, dem Abschluss seiner ärztlichen Prüfung 2008 und der Promotion zum Doktor der Medizin 2010, spezialisierte sich Dr. Schoeneich weiter in der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie und erhielt 2015 die entsprechende Anerkennung der Bayerischen Landesärztekammer. Er ist Mitglied in renommierten Fachgesellschaften wie der DGPRAEC, DGH und der Deutschen Gesellschaft für Senologie und engagiert sich auch bei Interplast Germany e.V., um Menschen in Krisengebieten zu helfen. Kernkompetenzen
    • Brustchirurgie
    • Gesichtschirurgie
    • Bodycontouring

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